Therapie

Im Folgenden möchte ich Ihnen den Verlauf einer Psychotherapie vorstellen.

WOHER - WIE - WOHIN - ZU GUTER LETZT

WOHER?

Mit dem Ziel zu verstehen, um später zu verändern, begeben Sie sich – mit der Therapeutin – auf eine Wanderung durch Ihre seelische Landschaft. Was genau sind Ihre Gedanken, Gefühle und Empfindungen? Wie verhalten Sie sich, welchen subjektiven Sinn hat Ihr Handeln?

 

Um möglichst schnell eine Besserung des Befindens zu ermöglichen, wird in der kognitiven Verhaltenstherapie zunächst symptomorientiert gearbeitet. Eine Verhaltenstherapie setzt im Hier und Jetzt an, bei den Schwierigkeiten, die Sie aktuell haben, bei den Aspekten Ihres Erlebens und Verhaltens, die Ihrem Entschluss, eine Psychotherapie zu beginnen, zugrunde liegen.

Wie ist Ihr innerer Dialog? Welche Verhaltensimpulse haben Sie in bedrohlichen oder herausfordernden Situationen? Wie wirkt sich dies auf Ihre Gefühle aus? Auf Ihre Vitalität, auf Ihre Lebenszufriedenheit?

 

Die Ausgangsbasis des therapeutischen Weges bildet somit ein fundiertes, zutiefst individuelles Verständnis Ihrer Problematik. 

 

Das heißt natürlich nicht, dass dieses gemeinsam entwickelte, anfängliche Modell in Stein gemeißelt und über die gesamte Dauer der Therapie beibehalten wird. Im Gegenteil: Therapie ist ein lebendiger Prozess der Veränderung. In diesem Prozess ändert sich in der Regel das Verständnis der Störung und - nicht selten - auch einige Aspekte der angestrebten Lösungen.

Oft gerät auf dieser Wanderung die persönliche Lebensgeschichte ins Zentrum der gemeinsamen Betrachtungen. Die Verhaltenstherapie sieht die aktuelle Lebenssituation als Ausgangspunkt, aber sie beschränkt sich nicht darauf. Gerade wenn den biographischen Inhalten besondere Bedeutung zukommt, empfiehlt sich eine schematherapeutische Herangehensweise.

WIE?

Ich möchte vorausschicken: auch wenn es im Gespräch sehr berührende, intensive Momente gibt, geschehen die wesentlichen Entwicklungen oft außerhalb der wöchentlichen Therapiesitzungen. Sie erfolgen in der Zeit zwischen den Therapiestunden, im alltäglichen Leben. 
Inspiriert durch die therapeutische Arbeit werden Sie Ihre Umwelt anderes bewerten und schrittweise anderes handeln. Sie wagen Veränderung und erleben Veränderung. Dies ist das eigentliche Ziel jeder therapeutischen Arbeit: eine Umsetzung der erarbeiteten Inhalte in den Lebensalltag.

 

Konkret heißt das: Sie sollten sich für Ihre persönliche therapeutische Arbeit Zeit nehmen, Zeit zur Selbstbeobachtung oder für kleine Verhaltensexperimente. In vielen Fällen ist es auch ratsam, ein Therapietagebuch zu führen.

Aber wie kann Verhaltensänderung möglich werden? Was sind die Wirkfaktoren der therapeutischen Arbeit?

Zusätzlich zu der bereits erwähnten Erarbeitung des gemeinsamen Störungsmodells vermittelt die Psychotherapeutin Informationen über die Störung und die geplante therapeutische Herangehensweise. Dies wirkt entlastend und bildet die Wissensgrundlage für gerichtete Veränderung. Verhaltenstherapie zeichnet sich durch ein strukturiertes und ausgesprochen transparentes therapeutisches Vorgehen aus. Die Therapie findet auf Augenhöhe statt, der Therapeut begleitet Sie auf dem von Ihnen eingeschlagenen Weg. Er kann und wird sein Handeln und die von ihm eingesetzten Techniken erklären und begründen.

 

Entwicklung erfolgt aber letztendlich nur, wenn das psychische Problem aktualisiert ist. Nur wenn ein Erleben ausgelöst und tatsächlich empfunden wird, kann sich die dahinterliegende neurologische Struktur verändern. Es gibt eine Vielzahl verhaltenstherapeutischer und schematherapeutischer Herangehensweisen, die eine Aktualisierung des zugrundeliegenden Dilemmas herbeiführen. 

Die Schematherapie wurde als spezielle Vorgehensweise im Rahmen der modernen Verhaltenstherapie entwickelt, um mit biographischen Inhalten zu arbeiten. Die Schematherapie ist - mehr als die kognitive Verhaltenstherapie - auf Gefühle und Bedürfnisse bezogen. Wir nähern uns den schmerzhaften Erlebensinhalten über angeleitete Imaginations- und Körperwahrnehmungsübungen sowie über die sogenannte Stuhlarbeit, in der die Anteile des "inneren Dialogs" auf verschiedene Stühle gesetzt werden und so der therapeutischen Bearbeitung zugeführt werden.

Sowohl in der kognitiven Verhaltenstherapie als auch in der Schematherapie richtet sich die therapeutische Betrachtung notwendigerweise auf automatisierte Gedankenabläufe. Das Ansprechen, Hinterfragen und gegebenenfalls Entkräften dieser Glaubenssätze ist therapeutisch hoch effektiv. Oft handelt es sich um früh entwickelte Überlebensregeln, die rigide und unhinterfragt das heutige Verhalten steuern.

 

Auch die therapeutische Beziehung hat eine wesentliche Bedeutung. Diese ganz besondere Art der zwischenmenschlichen Begegnung ermöglicht und begleitet den Veränderungsprozess. Sich in einer akzeptierenden und angstfreien zwischenmenschlichen Beziehung mitzuteilen, regt eine kraftvolle und förderliche Auseinandersetzung mit sich selbst an. Die therapeutische Beziehung bildet sowohl in der Einzel- als auch in der Gruppentherapie einen geschützten Raum, in dem sich der therapeutische Prozess entwickelt kann und neue Verhaltensweisen angstfrei erprobt werden können.

 

Je nach Problematik können die Schwerpunkte zwischen Einzel- und Gruppentherapie  unterschiedlich gesetzt werden. Für beide Behandlungssettings gibt es spezifische Techniken und therapeutische Wirkfaktoren. Eine Kombination ermöglicht somit einen effektiven Zugriff auf eine Vielzahl therapeutischer Einflussmöglichkeiten.

WOHIN?

Wo soll der therapeutische Weg hinführen, was genau soll sich in welcher Weise ändern?

Neben der individuellen Problemanalyse erfolgt im therapeutischen Prozess auch eine Zielanalyse. Dabei gilt es, übergeordnete Ziele in möglichst verhaltensnahe und umsetzbare Teilziele zu übersetzen. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für einen konstruktiven Veränderungsprozess.

Meine therapeutische Herangehensweise ist integrierend. Es geht in der Regel weder um die Ausgrenzung unerwünschter Persönlichkeitsanteile, noch darum, störende Gefühle oder Gedanken abzustellen. Eine Erhöhung der Lebenszufriedenheit geht einher mit einer achtsamen, wohlwollenden, verständnisvollen Haltung sich selbst gegenüber. Gelingt dies, erscheint manches in einem anderen Licht und Veränderung wird möglich.

Entsprechend geht es nur selten darum, Verhaltensweisen ein für alle Mal zu beenden und abzulegen (eine Ausnahme sind beispielsweise Suchterkrankungen). In der Regel ist es mein Ziel, Ihre Wahlfreiheit zu erhöhen. Ihr Handlungsspielraum erweitert sich, wenn der bisherigen Verhaltensroutine noch andere verfügbare Wege an die Seite gestellt werden.

ZU GUTER LETZT

In diesem Text wurde zur Erhöhung der Transparenz der Versuch gemacht, Grundsätze meines therapeutischen Handelns zu benennen. Dieses Anliegen bedeutet Verallgemeinerung in einem Bereich, in dem sie - wie immer, wenn es um Menschen geht - nur sehr bedingt möglich ist. 

Es gilt: es gibt ebenso viele unterschiedliche Therapieverläufe, wie es Therapien gibt.

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© Karin Pogade, Anhaltinerstr. 2, 14169 Berlin

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